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Arbeit als Teil des Lebens – warum der Sinn wichtiger ist als der Beruf

Arbeit als Teil des Lebens – warum der Sinn wichtiger ist als der Beruf

Sonntag, Juni 28, 2026

«Was arbeitest du?»

Eine Frage, die wir oft hören. Und fast immer antworten wir mit unserer Funktion.

«Ich bin Architekt.»

«Ich arbeite als Projektleiter.»

«Ich bin Pflegefachfrau.»

Eigentlich ist das erstaunlich. Denn wir beantworten die Frage gar nicht. Wir sagen lediglich, welche Rolle wir ausüben. Aber wir verraten nichts darüber, weshalb wir diese Arbeit tun und welchen Sinn sie für uns hat.

Vielleicht kennen wir die Antwort selbst nicht.

Dabei verbringen wir einen grossen Teil unseres Lebens mit Arbeit. Umso erstaunlicher ist es, wie selten wir uns fragen, welchen Beitrag wir mit unserer Arbeit eigentlich leisten möchten. Nicht welchen Beruf wir haben. Sondern welche Wirkung wir in der Welt hinterlassen wollen.

Der Psychiater Viktor Frankl hat sich ein Leben lang mit dieser Frage beschäftigt. Für ihn war Sinn nichts, das wir besitzen oder selbst erfinden. Sinn will entdeckt werden. Er zeigt sich dort, wo wir Verantwortung übernehmen, etwas Wertvolles schaffen oder einer schwierigen Situation mit einer guten Haltung begegnen.

Frankl beschreibt dafür drei Wege zum Sinn: durch das, was wir schaffen, durch das, was wir erleben, und durch die Haltung, die wir auch dann bewahren, wenn das Leben schwierig wird.

Gerade der erste Gedanke verändert den Blick auf unsere Arbeit.

Arbeit ist weit mehr als Broterwerb. Sie ist eine Möglichkeit, etwas zu schaffen, das anderen Menschen dient. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand Häuser plant, Menschen pflegt, Software entwickelt, einen Lastwagen fährt oder Hotelzimmer reinigt. Jede Arbeit kann sinnhaft sein, wenn sie einen Beitrag für andere leistet.

Vielleicht hat Sinn deshalb auch etwas mit Schönheit zu tun.

Nicht mit Perfektion. Nicht mit Design. Nicht einmal mit Ästhetik.

Schön ist das, was wirkt.

Ein Musikstück berührt uns. Ein Gebäude vermittelt Geborgenheit. Ein Workshop fühlt sich stimmig an, weil Fragen, Gespräche und Interventionen miteinander harmonieren. Ein Prozess erscheint uns schön, weil er einfach funktioniert und den Menschen dient. Oder ein Hotelzimmer, das mit Sorgfalt vorbereitet wurde, lässt den Gast ankommen und sich willkommen fühlen.

Schönheit entsteht dort, wo etwas seine Bestimmung erfüllt und dadurch Wirkung entfaltet.

Vielleicht gilt genau das auch für unsere Arbeit.

Gute Arbeit ist nicht einfach erledigte Arbeit. Gute Arbeit hinterlässt etwas. Sie erleichtert das Leben anderer Menschen. Sie schafft Orientierung. Sie löst Probleme. Sie verbindet Menschen. Sie bringt etwas Gutes hervor.

Ich glaube, wir verwechseln den Sinn unserer Arbeit oft mit Erfolg. Wir sprechen über Karriere, Lohn, Status, Beförderungen und idirekt auch über Macht. Dabei sehnen sich viele Menschen nach etwas anderem: Sie möchten erleben, dass ihre Arbeit einen Unterschied ausmacht.

Vielleicht liegt genau darin auch der Grund, weshalb das Thema «Purpose» in Organisationen immer wichtiger wird. Menschen möchten verstehen, warum ihre Arbeit wichtig ist. Nicht als Marketingbotschaft auf einer Webseite, sondern im ganz normalen Arbeitsalltag.

Für mich geht dieser Gedanke noch einen Schritt weiter.

Ich glaube, dass jeder Mensch mit Fähigkeiten, Talenten und einer Berufung ausgestattet wurde. Arbeit ist deshalb nicht einfach eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Sie ist Teil unseres Lebens und eine Gelegenheit, etwas von dem in die Welt zu bringen, was in uns angelegt ist.

Vielleicht beginnt Sinn genau dort.

Dort, wo wir nicht mehr nur fragen:

«Was arbeite ich?»

Sondern:

«Welche Wirkung soll durch meine Arbeit entstehen?»

Ich vermute, genau dort beginnt gute Arbeit. Nicht, weil sie erfolgreicher wird. Sondern weil sie Wirkung entfaltet.

Und vielleicht ist genau das Schönheit.

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